Die GAEB-BIM Story geht weiter:

GAEB 3.3 wurde freigegeben und damit die Verbindung zwischen Leistungsverzeichnis und 3D-Modell

Bonn, im November 2019.

Erstens kommt es anders und zweitens als man denkt

Die Arbeit ist geschafft. GAEB DA XML 3.3 wurde in der GAEB AG 13 Sitzung in Gießen am 7. und 8. Mai 2019 freigegeben. Kaum ist dieser Meilenstein geschafft, fängt die Arbeit an. Gut zu vergleichen mit einer ausführenden Baufirma. Die ganze Kraft steckt in der Angebotsbearbeitung. Intelligente und technisch anspruchsvolle Alternativen wurden vorgeschlagen. Der Auftrag kommt. Juhu. Ist das klasse – und schön fängt der Stress mit der Ausführung an …

Arbeitsgruppe GAEB AG 13                              
Arbeitsgruppe GAEB AG 13
Von links nach rechts: Matthias Reif (Leiter AG 13, BBR), Prof. Joachim Dias (THM), Sebastian Goitowski (GAEB), Bernhard Rath (IB Rath), Dr. Thomas Müller (ZVSHK) , Susanne Grosse (Deutsche Bahn AG), Wilhelm Veenhuis (BVBS/MWM), Michael Pfeifer (BMVI), Andreas Frisch (DIN), Gabriela Helbing (LASuV)

GAEB DA XML 3.3 – Die Norm

Mit GAEB 3.3 ist es erstmals möglich, referenzierbare LV-Objekte mit BIM-Modelle zu verbinden. Die entsprechende Dokumentation und die XML-Schemadateien sind interessierten Entwicklern zugänglich gemacht. Von den Datenaustauschphasen her geht es um über 20 verschiedene Dateiarten. Angelehnt sind die Datenaustauschphasen an Prozessschritte in der Bauwirtschaft. Dazu einige Beispiele: X31: Mengenermittlung, X83 Angebotsaufforderung, X84 Angebotsabgabe und die „wertvolle“ X86 Auftragserteilung.
Die große Neuerung in GAEB 3.3 ist die Möglichkeit, dass aus allen Datenphasen eine Verbindung von Elementen zu einem Bauteil in einem BIM-Modell hergestellt werden kann. Diese lebenslange systemunabhängige Verbindung bietet dem Bauwesen umfangreiche Möglichkeiten.

GAEB DA XML 3.3 Datenaustauschphasen Übersicht
GAEB DA XML 3.3 Datenaustauschphasen Übersicht

Interessant ist das Detail aus der Normierung (hiermit wird aus den Normierungsgremien geplaudert), dass erst einmal nur „wichtige“ Datenphasen mit referenzierbare LV-Objekte versehen werden sollten. Aber dann kamen immer weitere Datenphasen hinzu, jeder wollte auf den BIM-Zug aufspringen. Zu guter Letzt hat jede Datenphase referenzierbare LV-Objekte erhalten. Auch der Zeitvertrag, der sicher in der Ausschreibung noch kein konkretes Bauprojekt und damit Modell anspricht. Ich finde aber die Intension wichtig, aus jeder Datenphase soll in ein BIM-Modell verlinkt werden können.
Das Bundesministerium des Innern, für Bau und Heimat unterstützt die GAEB DA XML 3.3 Aktivitäten und hat mit dem Erlass vom 20. 8. 2019 empfohlen, nur noch diesen Stand zeitgemäß zu unterstützen.

Was bisher war

2017 erschien im BIM-Heft von Erst & Sohn Spezial der Artikel „Koppelung von GAEB und BIM – Ehe für alle“. Dort wurde von der Entstehung der Verbindung zwischen GAEB und BIM berichtet. Jetzt sind die Flitterwochen vorbei und der Ehe-Alltag beginnt. Und wie in einer echten Ehe gilt auch hier: Die Beziehung ist Arbeit, Arbeit, Arbeit! Und der erste Ehekrach lässt nicht lange auf sich warten.

Die Realisierung – Detailarbeit - Pustekuchen

Der Autor war am Beginn der Artikelerfassung der Meinung, einen Erfolgsbericht über die Einführung von GAEB 3.3 aufzusetzen und zu berichten, dass nun die alte GAEB-Welt mit der neuen BIM-Welt verbunden ist. Die Realität sah aber anders aus. Starten wir also die Ursachenforschung!

Detailarbeit - Projekt GUID

Es hört sich leicht an: Ein neues Projekt wird erstellt und dazu automatisch vom Programmsystem eine GUID angelegt. Diese GUID wird lebenslang nicht mehr verändert. Alle Projektpartner werden diese GUID unverändert verwendet. In der Projektentstehungsphase arbeitet aber auch ein anderer Fachplaner an dem neuen Projekt und hat selber dieser Projekt in seinem IT-System angelegt. Schon ist eine abweichende GUID vorhanden. Der erste Austausch (z.B. einer X80 GAEB-Datei) bringt dieses Problem an den Tag. Jetzt liegt es an der Intelligenz der Software, dass der Projektverantwortliche, der den Hut aufhat, seine GUID vorgibt und behält und nicht die GUID des Fachplaners übernimmt. Hier sollte natürlich in der zukünftigen Bearbeitung ein neuer Prozessschritt eingeführt werden. Der Projektverantwortliche sendet allen Projektpartner eine X80 GAEB-Datei mit Stammdaten (Projektname, Adresse und natürlich der GUID). So kann dafür gesorgt werden, dass von Anfang an alle Partner mit gleichen Daten arbeiten. Der große Vorteil: Es kommt eine GAEB-Datei im Büro an, der Name der Datei ist nicht besonders aussagekräftig. Aber die Projekt-GUID in der Datei kann die Daten automatisch in das richtige Projekt transportieren – der GUID sei Dank!

Und jetzt?

Die Bausoftwarehäuser sind im BVBS (Bundesverband Bausoftware e.V.) organisiert. Im BVBS gibt es u.a. die beiden Arbeitskreise Datenaustausch und BIM. In der Regel tagen diese Arbeitskreise an zwei aufeinander folgenden Tagen. So müssen Teilnehmer, die an beiden Arbeitskreisen teilnehmen möchten, nur einmal anreisen. Zusätzlich gib es ein gemeinsames Abendessen zwischen beiden Tagen, dieses wird sehr intensiv zum Netzwerken genutzt.

Der Autor leitet den Arbeitskreis Datenaustausch. Aus diesem Arbeitskreis hat sich eine Gruppe von Teilnehmern gebildet, die sich um die Realisierung von GAEB 3.3 kümmert. In ersten Gesprächen nach der GAEB-Freigabe kam Unsicherheit auf, ob die Implementierung nach den Vorgaben von GAEB 3.3 sinnvoll möglich ist. Erste Prozesse wurden durchdacht und geprüft. Die sehr gute Kommunikation der verschiedenen BVBS Mitglieder untereinander, obwohl man natürlich auch Mitbewerber ist, sorgte dafür, dass sich ad hock ein aktiver Teilnehmerkreis bildete. Weitere Gespräche wurden geführte. Die Teilnehmer stellte schnell fest, dass sie ähnliche Probleme bei der Organisation der Entwicklungsvorgaben für GAEB 3.3 sehen. Eigentlich eine sehr unangenehme Situation. In dreijähriger Vorbereitung wurde GAEB 3.3 entwickelt. Die Vorgaben wurden in einer Fachdokumentation und in 30 XML-Schemadateien festgehalten. Ein Teil der BVBS-Mitglieder erhob zum Beispiel nachträglich die Forderung, dass die GUID nicht als Pflichtfeld geführt werden solle. Eigentlich wurde es in der Normierung als Vorteil gesehen, dass die GUID (das Fundament für die BIM-Kommunikation) Pflicht sei und damit unausweichlich vorhanden sein muss. Jetzt wird die GUID als optionales Element gesehen. Der jeweilige Prozess bzw. die Rolle soll entscheiden, ob sinnvollerweise eine Übernahme der GUID erfolgen soll. Dann war eine weitere wichtige Erkenntnis, dass eine Handlungsanweise aufgestellt werden muss, wann welcher Beteiligte in welcher Rolle bei welchem Prozess wie mit der GUID verfährt. Wann muss eine GUID übertragen und unverändert
zurückgegeben werden und in welchen Schritten kann eine GUID überschrieben werden. Das nachfolgende Bild zeigt einen beispielhaften Ausschnitt aus einer solchen Organisation:

AVA-Prozesse mit GUIDs
AVA-Prozesse mit GUIDs

Ausblick

In den nächsten Wochen wird sich der BVBS Arbeitskreis Datenaustausch einigen, welche Anpassungen an GAEB DA XML 3.3 notwendig sind und welche zusätzlichen Fachdokumentationen bzw. Implementierungshinweise erstellt werden müssen. Die Ergebnisse werden auf der November Sitzung der GAEB AG 13 in Berlin diskutiert und hoffentlich in entsprechende Beschlüsse gefasst. Die Realisierung eines Datenaustausches lebt davon, dass alle Beteiligten die Vorgaben gleich interpretieren und realisieren. Wir haben nur einen Wunsch: Der Austausch der GAEB Daten soll reibungslos funktionieren. So gut wie eine erfolgreiche Ehe!

www.mwm.de

Über MWM
Im Juli 1992 gründeten Dipl.-Ing. (FH) Michael Hocks und Dipl.-Ing. Wilhelm Veenhuis die MWM Software & Beratung GmbH mit dem Ziel, Dienstleistungen und EDV-Lösungen für branchenspezi¬fische IT-Fragestellungen im Bauwesen anzubieten. Besonderes Augenmerk legten die beiden geschäftsführenden Gesellschafter dabei auf Aufmaßprogramme für tragbare Rechner. Über 2.500 Kunden mit über 16.500 Installationen beweisen den Erfolg des Unternehmens. So bietet MWM Interessierten unter anderem das GAEB-Konvertierungstool MWM-Primo, MWM-Libero für Aufmaß, freie Mengenermittlung und Bauabrechnung, MWM-Piccolo für LV und Aufmaß auf Android-Geräten, MWM-PISA für die Angebotsbearbeitung, MWM-Rialto für die Umwandlung von GAEB- in Excel-Dateien und den DA11-Konverter MWM-Ponto etc.

Seit dem Jahr 2000 ist MWM Mitglied im Bundesverband Bausoftware e.V. (BVBS). Seit 2001 ist Wilhelm Veenhuis im Vorstand des BVBS und seit 2006 leitet er den Arbeitskreis „Datenaustausch“.

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MWM Software & Beratung GmbH
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